Die Generation Silver Surfer

Das Internet gehört untrennbar zum Leben jüngerer Menschen. Es erobert aber auch rasant den Alltag von Seniorinnen und Senioren. Laut Statistischem Bundesamt (Destatis) nutzten 2015 bereits 49 Prozent der ab 65-Jährigen das Internet für private Zwecke. Und nach einer aktuellen Forsa-Umfrage schrumpft der digitale Altersunterschied weiter.

So erklären 46 Prozent der sogenannten Silver Surfer ein Leben ohne Internet für unvorstellbar. 52 Prozent sind sogar davon überzeugt, dass ihre persönliche Lebensqualität durch die Nutzung des Internets gestiegen ist. Untermauert werden diese Angaben von einer repräsentativen Umfrage des Digitalverbands Bitkom in Zusammenarbeit mit Forsa im Rahmen des Wissenschaftsjahres „Die digitale Gesellschaft“ in 2014.

Das Internet kann das Leben für Seniorinnen und Senioren außerordentlich erleichtern. Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung

„Das Internet kann das Leben für Seniorinnen und Senioren außerordentlich erleichtern“, betonte Prof. Dr. Johanna Wanka, Bundesministerin für Bildung und Forschung bei der Vorstellung der Umfrageergebnisse. Und Bitkom-Präsident Prof. Dieter Kempf prognostizierte weiteres Wachstum mit der Begründung: „Wer sich einmal mit dem Internet befasst, profitiert schon nach kurzer Zeit von den enormen Möglichkeiten und Verbesserungen für den Alltag“.

Keine Angst vor dem Internet

Welche Interessen lassen immer mehr Seniorinnen und Senioren zu überzeugten Online-Fans werden? Zunächst ist der Umgang der über 65-Jährigen unabhängig vom Geschlecht eher pragmatisch. Für sie steht der Mehrwert, den ihnen das Internet im Alltag bietet, im Vordergrund. Eine Spitzenposition nimmt das Senden und Empfangen von E-Mails ein. So nutzen 92 Prozent der Silver Surfer das Netz für den Kontakt mit Familienmitgliedern, die oft weit verstreut sind. Oder für die Kommunikation und Verabredungen mit Freunden, selbst wenn diese in der Nähe wohnen. Weil es zeitgemäß ist, und weil es fit im Kopf hält.

Immer öfter auch von Älteren genutzt wird die Möglichkeit, sich per kostenlosem Online-Dienst Skype mit Familienmitgliedern oder Freunden auszutauschen und sich dabei sozusagen gegenüber zu sitzen und in die Augen zu sehen. Und das sogar über große Entfernungen und Landesgrenzen hinweg. Die alten Eltern skypen mit ihrem Sohn oder der Tochter, die der Karriere wegen weit entfernt von ihnen leben. Großeltern skypen mit der Enkelin oder dem Enkel, die ihr Auslandsjahr in Australien, Neuseeland, Kanada oder sonst irgendwo auf der Welt verbringen. Und die Uroma kann dank Skype das Wachsen und Gedeihen ihres Urenkels direkt aus ihrer Wohnung oder der Seniorenwohnanlage miterleben. Womit die Senioren noch intensiver als per E-Mail oder Telefon am Leben ihrer Familien oder Freunde teilnehmen können.

Mit den Lieben verbunden – dank moderner Technologien

Wie es geht, lassen sich die Älteren häufig von ihren Enkeln zeigen. Oder sie besuchen einen der Internet-Kurse speziell für Senioren, für deren Initiatoren sich Alter und digitale Welt in keiner Weise ausschließen. Und während denen nicht selten neue soziale Kontakte und Interessengemeinschaften entstehen. Entsprechende Web-Adressen finden sich im Informationskasten am Ende des Beitrags.

Ein guter Grund täglich online zu gehen, ist für einen hohen Anteil der Silver Surfer zudem, jederzeit auf dem aktuellsten Stand des Tagesgeschehens zu sein. So lesen acht von zehn Senioren täglich in Online-Zeitungen und Magazinen die neuesten Nachrichten und rufen aktuelle Sportmeldungen und -ergebnisse ab. Zu diesem Zweck sind ältere Männer allerdings deutlich häufiger online als gleichaltrige Frauen.

Die Möglichkeit per Google ganz bequem und zu jeder Tages- und Nachtzeit von zu Hause aus gezielt an Anwenderinformationen zu kommen, die den Alltag leichter machen, erfreut sich auch bei Silver Surfern großer Beliebtheit. Sowohl bei männlichen als bei weiblichen Usern. Seniorinnen, die gerne kochen, oder spätberufene männliche Hobbyköche am Herd, lassen sich von den Rezeptseiten oder per Schritt-für-Schritt Video-Beiträgen im Netz inspirieren.

Einen enormen Stellenwert haben Fragen zur eigenen Gesundheit oder der von Familienangehörigen. So ergaben aktuelle Studien (z.B. von UdL-Digital), dass 68 Prozent der Silver Surfer häufig im Internet gezielt nach Gesundheitsthemen suchen. Dazu verwenden sie neben dem Computer immer mehr auch mobile Geräte wie Smartphones und Tablet-Computer.

Im Rahmen einer Online-Studie hat die E-Plus Gruppe die Beliebtheit von Smartphones und Tablets unter den Senioren untersucht. Mit dem Ergebnis, dass auch diese Altersgruppe den Nutzen der Informations- und Unterhaltungsangebote im mobilen Internet zunehmend zu schätzen und zu nutzen weiß.

Digitale Devices können helfen, Leben zu retten

Gesundheits-Coaching per App findet im medizinischen Alltag älterer Menschen immer mehr Zuspruch. Aus gutem Grund. Eine App erinnert an die Einnahme von Medikamenten. Sie kann bei einem Sturz automatisch einen Notruf absetzen, selbst wenn das Gerät einmal ausgeschaltet sein sollte. Sie coacht als digitaler Diabetes-Assistent alle erforderlichen Maßnahmen nach vorgegebenen Zeiten, überwacht lebenswichtige Werte und gibt zusätzlich Ernährungstipps. Sie führt präzise Tagebuch, hält Gesundheitswerte fest und vereinfacht damit die Kommunikation und Information mit und von Ärzten. Oder sie spornt die betreffenden Personen mit Bezug auf ihre individuellen Möglichkeiten zu mehr Bewegung und Fitness an. (Mehr dazu im Info-Kasten am Ende dieses Beitrags.)

Mit zum Mehrwert des Internets zählen ältere Onliner laut Statistischem Bundesamt (Destatis) auch Produkt bezogene Testergebnisse im Netz.  Das weist darauf hin, dass vor einer Kaufentscheidung von den Silver Surfern die qualitativen und preislichen Unterschiede eines Produkts ganz genau recherchiert und verglichen werden. Ganz gleich ob der Weg zum Fachhändler führen oder im Internet-Shop gekauft werden soll. Dies gilt auch für die Buchung von Reisen, Zug- oder Flugtickets, Hotels oder Eintrittskarten für kulturelle Veranstaltungen.

Ältere Menschen wagen sich zunehmend ans Online-Banking

Erst einmal mit dem Internet vertraut, öffnen sich Menschen dieses Alterssegments zunehmend auch für die Vorteile des Online-Bankings. Seine Bankangelegenheiten von zu Hause aus zu erledigen, gewinnt bei den Silver Surfern immer mehr an Attraktivität. Sind erst einmal die Sicherheitsbedenken bezüglich Betrug und Datenklau beseitigt, fällt bei den Senioren die Hemmschwelle aus Unsicherheit und Angst und lässt die Vorteile überwiegen. 2015 tätigten bereits 44 Prozent der älteren Internetnutzerinnen und -nutzer ihre Bankgeschäfte per Internet (Destatis). Am Computer per Mausklick, mittels Tablet oder bei entsprechenden Schutzvorkehrungen auch per Smartphone den Kontostand checken oder eine Überweisung tätigen, wird von Silver Surfern immer mehr als komfortable Möglichkeit geschätzt. Sowohl im Urlaub als auch während längerer Auslandsaufenthalte wie auf Mallorca oder einem anderen Platz an der Sonne, was den Nutzen zusätzlich erhöht.

So viele Studien – so viele Ergebnisse. Doch alle beweisen sie eines: Dass sich Alter und digitale Welt nicht ausschließen. Ganz im Gegenteil. Das Tempo, mit dem sie sich aufeinander zu bewegen, ist ein Indiz, dass die Zahlen von heute, schon morgen überholt sein werden.

Autor: Ann Braun

Matthias Horx zu Silver Society

Welche Vorteile hat es, Teil der Silver Society zu sein?

Wann beginnt man eigentlich „zu altern“?

Was sind das für Menschen, die freiwillig länger arbeiten?

Schreibe einen Kommentar


Lesen Sie unsere Kommentarrichtlinien